Was ist ADP (Average Draft Position) im Fantasy Football?
ADP steht für „Average Draft Position" – die durchschnittliche Position, an der ein Spieler in Fantasy-Drafts gepickt wird. Sie zeigt dir, in welcher Runde ein Spieler realistisch verfügbar ist, und hilft dir, Über- und Unterbewertungen zu erkennen.
In der Draft-Vorbereitung begegnen dir überall drei Buchstaben: ADP. Wer sie versteht, geht entspannter in seinen Draft – weil er ungefähr weiß, wann welcher Spieler vom Board geht. Und weil er aufhört, Spieler zu drafen, die noch eine Runde länger da gewesen wären.
Was ADP bedeutet
ADP steht für Average Draft Position, also die durchschnittliche Draft-Position eines Spielers über sehr viele ausgewertete Drafts hinweg. Hat ein Spieler eine ADP von 15, wurde er im Schnitt als 15. Spieler insgesamt ausgewählt.
Rechne das immer in Runden um, dann wird es greifbar. In einer 12-Team-Liga umfasst jede Runde zwölf Picks: Runde 1 sind die Picks 1 bis 12, Runde 2 die Picks 13 bis 24. Eine ADP von 15 bedeutet also früh in Runde 2 – genauer: der dritte Pick dieser Runde. In einer 10-Team-Liga wäre derselbe Spieler dagegen ein Pick aus der Mitte von Runde 2.
ADP ist keine Rangliste – das ist der wichtigste Unterschied
Eine Rangliste sagt, wie gut ein Spieler nach Einschätzung der Autoren sein wird. Die ADP sagt nur, wann ihn andere Menschen tatsächlich ziehen. Das eine ist eine Prognose, das andere ein gemessenes Verhalten.
Genau aus der Lücke zwischen beiden entsteht der Gewinn: Ein Spieler, den du auf Platz 20 siehst, der aber eine ADP von 40 hat, ist deine Chance – du kannst zwanzig Picks warten. Umgekehrt ist ein Spieler mit ADP 10, den du selbst nur auf Platz 30 führst, für dich kein Kandidat. Die Rangliste sagt dir, wen du willst. Die ADP sagt dir, wann du ihn bekommst.
Value und Reach
Fällt ein Spieler im Draft deutlich unter seine ADP, bekommst du einen Value – du zahlst weniger, als er „kosten“ sollte. Greifst du dagegen deutlich früher zu als nötig, ist das ein Reach.
Ein Reach ist aber nicht automatisch ein Fehler. Wenn du überzeugt bist, dass ein Spieler deutlich besser wird, als der Markt glaubt, ist ein Pick zwei Runden zu früh der Preis dafür, ihn überhaupt zu bekommen. Falsch wird es erst, wenn du ohne Grund früh greifst – also aus Nervosität statt aus Überzeugung.
Die Snake-Draft-Falle an der Wende
Die meisten Ligen drafen im Snake-Verfahren: Die Reihenfolge dreht sich in jeder Runde um. Wer in Runde 1 zuletzt zieht, zieht in Runde 2 zuerst. Das hat eine Folge, die viele beim ersten Draft übersehen.
Beispiel, 12-Team-Liga, du hast Startplatz 8. Dein erster Pick ist die Nummer 8. Dein zweiter ist die Nummer 17, dein dritter die Nummer 32. Zwischen deinem zweiten und dritten Pick liegen also 14 fremde Picks – fast anderthalb Runden. Wer an der Wende sitzt, muss deshalb zwei Spieler auf einmal einplanen und darf sich nicht darauf verlassen, dass ein Spieler mit ADP 25 bis zu seinem nächsten Zug noch da ist.
Achtung: ADP ist ein Durchschnitt, kein Fahrplan
Die ADP unterscheidet sich je nach Plattform und je nach Scoring-Format. In PPR-Ligen steigen fangstarke Receiver, in Standard-Ligen fallen sie. Eine ADP von Underdog aus Best-Ball-Drafts sagt wenig über deine Zwölfer-Redraft-Liga bei Sleeper. Nutze immer die ADP der Plattform und des Formats, in dem du wirklich spielst.
Und beachte die Streuung: Zwei Spieler können dieselbe ADP von 30 haben – der eine geht immer zwischen Pick 28 und 32, der andere mal auf 12 und mal auf 50. Beim zweiten ist die ADP als Planungsgröße fast wertlos.
Warum sich die ADP ständig ändert
ADP ist eine Momentaufnahme. Sie verschiebt sich mit jeder Verletzung, jedem gewonnenen Positionskampf und jeder Meldung aus dem Training Camp. Eine ADP von Anfang Juli ist Mitte August teilweise überholt. Zieh dir die Werte deshalb kurz vor dem Draft noch einmal frisch – nicht Wochen vorher.
Häufige Fragen
Wofür steht ADP?
Für Average Draft Position – die durchschnittliche Position, an der ein Spieler in ausgewerteten Drafts gezogen wurde.
Soll ich streng nach ADP drafen?
Nein. Wer nur der ADP folgt, bekommt dasselbe Team wie alle anderen und keinen Vorteil. Die ADP ist das Zeitraster, deine eigene Rangliste ist die Entscheidung.
Warum weicht die ADP je nach Seite ab?
Weil jede Plattform nur ihre eigenen Drafts auswertet – mit eigenem Publikum, eigener Ligagröße und eigenem Scoring. Manche Dienste bilden daraus einen Konsenswert über mehrere Quellen; der glättet Ausreißer, passt dafür aber auf keine einzelne Liga genau.
Gibt es ADP auch für Auction-Drafts?
Dort tritt an ihre Stelle der durchschnittliche Auktionswert, meist als AAV abgekürzt. Er sagt, was ein Spieler im Schnitt an Budget gekostet hat – die Denkweise beim Auction Draft ist dieselbe, nur in Dollar statt in Picks.
Kurz zum Mitnehmen
Die ADP ist dein Zeitgefühl für den Draft, nicht deine Meinung. Rechne sie in Runden um, prüfe sie für dein Format, und plane an der Wende immer zwei Picks zusammen. Am besten prüfst du das vorher in einem Mock Draft – dort merkst du in zwanzig Minuten, ob dein Plan an deinem Startplatz überhaupt aufgeht.